Konstruktion und Bau der Fernweh, geschrieben vom Erbauer, meinem Großvater
1. Vorbereitung 2. Der Bauplatz 3. Erste Bauphase 4. Stapellauf 5. Zwischenfälle 6. Fertigstellung


Der Beginn der ersten Bauphase war ebenso außergewöhnlich.

Die Konstruktion war auf Längsspanten ausgerichtet und sollte vom Deck aus beginnen. Das bedeutet, wir bauten das Boot auf dem Kopf stehend, angefangen mit dem Oberdeck. 
Als wir so richtig angefangen hatten stellten wir fest, dass es hervorragend lief. Im März 1982 lagen beide Oberdecks auf unserer „Helling“. Wir liefen darauf hin und her und träumten. Geschliffen und gestrichen, drehten wir es wieder um und schweißten die Bordwände daran. Unsere Stahlplatten maßen 2x1m, 3mm Walzblech. Damit war die Bordwandhöhe von 1m vorgegeben. Eine Scheuerleiste, die Kimm aus Bandeisen und das Oberdeck waren unsere Längsspanten. Natürlich mussten viele Hilfsspanten von Bordwand zu Bordwand, Verstrebungen, Bodenwrangen usw. das Ganze in Form halten. Heck und Bug vernachlässigten wir erst einmal. An einer Gerüststangenkonstruktion hängten wir ein Bandeisen, 100x10mm, als Kiel in die Luft. Zwischen Kiel und Kimm schweißten wir die 2x1m Blechplatten, jetzt aber quer. Somit war ein, jetzt schon erkennbar, sehr spitzes Kielboot entstanden. Gleiches Bandeisen schmiedeten wir, in sehr eleganten Schwüngen, zum Kiel für Heck und Bug. An diesen Stellen bekam das Schiff auch gewöhnliche Spanten aus Bandeisen, da sich dieses besser formen ließ als Winkeleisen. Winkeleisen verwendeten wir an allen Plattenstößen. Somit erreichten wir einen glatten Übergang von Platte zu Platte und gleichzeitig verringerte  sich der Schrumpfprozess beim Schweißen. 
Nach einem Jahr Bauzeit begannen wir mit dem Bug und Heck Unterwasserschiff. Hier kam unsere raffinierte Lösung zur Anwendung. Um einigermaßen geschwungene Formen zu erreichen, schnitten wir die 2m Blechtafeln in 200mm breite Streifen. Durch Überlappung erreichten wir fast jede erforderliche Form, um die Bereiche zwischen Kiel-Heck-Boden-Bordwand zu schließen. Sicherlich gibt es in der Bootsbaubranche elegantere Lösungen, aber für uns Möglichkeiten war diese die lösbarste. Ein Stevenrohr ins Unterwasserschiff einzubringen, oder den Kiel bis zum Ruderblattwiderlager zu verlängern, war ein Kinderspiel. Da wir den Motor, einen Vierzylinder LKW Motor mit 125 PS  aus dem W50, schon hatten, war die Einbaulage einigermaßen klar - aber wirklich nur einigermaßen. Eine Anpassglocke für das Lunze Getriebe, die Welle und alle Flansche mussten noch gefertigt werden. Alle Durchbrüche, die so ein Schiff so benötigt, bedürfen keiner Erwähnung – das waren Arbeiten so nebenbei. Mitte Oktober 1983 war es soweit: Die Boote wurden gewendet und auf den Kiel gestellt. Wir bauten uns eine Traverse mit zwei Schlaufen, in denen das Boot hing. Mit einem Autokran setzten wir es, in Schritten von 0,5 Metern, auf der einen Seite auf Holzstempel ab, so dass es sich in den Schlaufen drehte und umschlug. Eine dramatische Aktion. Die erste Bewährungsprobe für Konstruktion und Schweißnähte. Den Motor setzten wir auch gleich in die Schale. Jetzt wurde uns erst so richtig bewusst was wir da gebaut hatten. Eine mordsmäßige Schale und ein kleiner Haufen Motor darin, der marinisiert 600kg wog. Und dann erst die Außenansicht: schlank, mit einem 45 Grad Bug und einem Heck zum verlieben. Die anschließende Feier war dementsprechend. (.....)


 
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