Konstruktion und Bau der Fernweh, geschrieben vom Erbauer, meinem Großvater
1. Vorbereitung 2. Der Bauplatz 3. Erste Bauphase 4. Stapellauf 5. Zwischenfälle 6. Fertigstellung


Obwohl wir zwei Bootsbauer uns von Anfang an immer gegenseitig unterstützten, entstand nach dem Drehen der Boote, eine kleine Endspurtstimmung. Mal war der Eine und dann wieder der Andere etwas weiter. Nebenbei wurde ja schon der Innenausbau vorbereitet. Isoliermaterial, Sperrholzverkleidung, Schränke, Bänke und viel Technik waren in Arbeit. Mein Freund schaffte sich einen elektrischen Handhobel an. Die Erprobung fand in seiner Garage statt. Er schob eine Latte über den liegenden Hobel, der mit ein paar Tausend Umdrehungen seine Kraft demonstrierte. Besagte Latte sprang hoch, er griff danach mit dem berühmten Reflex, und zack: Er sprang zurück, die Latte durch die Luft und ich zum Stecker. Danach war lange Zeit Ruhe. Mein Freund hatte die Hand zwischen die Beine geklemmt. Als ich den Hobel anhob, lag da die Bescherung. Fein – Gehacktes und dazwischen in kleinen Scheiben die Knochen. Drei Finger waren komplett und der linke Zeigefinger halb ab. Mir blieb für Sekunden das Herz stehen. Ja, so kann es auch ausgehen. Von dieser Panne hat er sich nicht wieder erholt. Obwohl ich monatelang versucht habe – auch noch als ich schon lange fuhr –  mit gutmütigen und auch ernsthaften Gesprächen ihn aufzurichten war nichts zu machen. Die Finger taten weh, im Sommer war das Blech zu heiß und im Winter zu kalt. Er kaufte sich einen Farbfernseher und sprach dem Bier zu. Die Wende hat er noch miterlebt. Oft hab ich von meinen großen Reisen angerufen, und dann ging er von uns. Oft werde ich an unsere schöne Zeit erinnert, und von jeder Flasche die an Bord geöffnet wird, bekommt er einen Schluck ab. Natürlich blieben auch bei mir kleine Verletzungen nicht aus. Als ich im Bug eine Platte mit dem Trennjäger herausschnitt –  hier sollte die Ankertasche eingeschweißt werden – rutschte ich ab, der Trennjäger hinterher und auf mein Knie. Nach einer ganzen Weile brannte es. Es war Winter und ich hatte drei Hosen an. Als ich die alle aushatte, konnte ich damit gar nichts anfangen. Aus einer klaffenden Wunde sah ich meine Kniescheibe, schneeweiß, mit einer 2cm langen Trennjäger – Nut eingefräßt, kein Tropfen Blut. Na Prost. Zum Schluss der Bauphase fehlte mir noch ein Glied am linken Mittelfinger. Also liebe Bastler: schön Obacht geben, denn es kommt oftmals anders als man denkt. Solche Bilder vergisst man nie. Als ich den Ausbau des Bootes im Bootshaus fortführte, wurde ich besonders vorsichtig. Immer allein und bis spät in die Nacht hinein – auch das war eine Herausforderung die über ein Jahr andauerte. (.....)


 
www.my-worldtrip.de