Konstruktion und Bau der Fernweh, geschrieben vom Erbauer, meinem Großvater
1. Vorbereitung 2. Der Bauplatz 3. Erste Bauphase 4. Stapellauf 5. Zwischenfälle 6. Fertigstellung


Nach dem Zuwasserlassen des Bootes, bestätigte sich die Berechnung, dass der Schwerpunkt einen ganzen Teil höher lag als erwünscht. Da unsere  gesamten Aufbauten aus Stahl und schon fertig waren, war das Unterwasserschiff noch ein hohler Vogel. Da von mir jedes eingebaute Teil einigermaßen genau berechnet wurde, lagen wir jetzt bei 5t. Als wir das erstemal mit kompletter Ausrüstung am Haken hingen, wog das Schiff 8,5t. Diese 3,5t Differenz wurden überwiegend im Unterwasserschiff eingebaut. (Davon entfallen allerdings fast 1t auf Dieselkraftstoff) Unsere Ausrüstung ist zurzeit so komplett, dass wir uns als kleine Werkstatt bezeichnen können. Angefangen vom Stromerzeuger, über Flex und Schweißgerät ist alles vorhanden. Unsere Hilfeleistungen einigen Sportfreunden gegenüber, hat schon oftmals Erstaunen hervorgerufen. In was für Berufszweige wir uns so alles reinarbeiten mussten, war schon enorm. Neben dem Stahlbau war ja so allerhand Wissen an Motoren-, Pumpen- Elektro-  und Rohrlegetechnik  erforderlich und auf kleinsten Raum zu realisieren. Wenn ich daran denke, dass wir drei Stromkreise haben: -230V für Landanschluss, die Ladegeräte, Licht und Steckdosen für den Hafenbetrieb, -24V für Anlasser, Signalhorn, diverse Motoren für Pumpen, Hubtisch und Scheibenwischer, -und 12V für alle Beleuchtungen.

Die Tischlerarbeiten waren der nächste Komplex. Neben der Schrankwand waren das alle Verkleidungen, Tische (mit Intarsien versehen), Klappliegen, Polsterarbeiten für Sitzecken, die Himmel in den großen Räumen mit Leder bespannt und das selbst gedrechselte Steuerrad (erst das dritte Steuerrad entsprach meinen Vorstellungen). Daneben die so verschiedenen Maler- und Lackierarbeiten. Allerhand Berufszweige die wir da streiften. Annähernd genauso genau wurde von mir die finanzielle Ausgabenseite geführt. Um später einmal eine annähernde Aussage machen zu können, wurde auch der geleistete Stundenaufwand mitgeschrieben. 

Übrigens: mein erstes selbst gebautes Boot, ein 8x2,5m Gleiter, wurde mit einem Stundenlohnverdienst von 1(Ost)Mark verkauft. (Da kann man schon staunen über Mindestlohn- und Hartz 4 Debatten) Ganz zu schweigen von den nervlichen Belastungen. Ganz schlimm waren Phasen, in denen ich von irgendwelchen Problemen träumte und nachts aufstand, Zeichnungen machte oder irgendwelche Berechnungen überprüfte. Manchmal hatte ich Angst, dass mir in irgendeiner Gehirnwindung ein Kurzschluss entsteht. Trotzdem wurde das Schiff nach 5 Jahren Bauzeit urlaubsbereit. 

Seit 1986 fahren wir die schönsten Reviere ab und sind schon die letzten Jahre den gesamten Sommer auf unserer „Fernweh“. Ein schöner Lohn nach soviel Verzicht. Nur wer Erfolg will, muss Erfolg wollen. Allen Lesern dieser Zeilen wünsche ich viel Spaß beim Wassersport, obwohl die richtigen Wassersportler immer weniger werden. Ahoi, und immer eine handbreit Wasser unter dem Kiel. 


HeiRö



 
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